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Oktober 2019

Das Kompendium

Es gibt die Melancholie der unerwünschten Stille. Aber dann ist da auch noch der Trost, ja sogar die Freude einer ersehnten und heilsamen Ruhe. Der Liedermacher Tom Robinson hat in einem kurzen Essay für den Guardian die Quäker-Treffen seiner Jugend beschrieben: „Im Raum breitete sich Stille aus. Und gerade dort, in dieser Stille, erlebt man die einzigartige Qualität eines Treffens unter Freunden. Wenn Gott versucht uns etwas zu sagen, überlegt man, wie wir man inmitten der Hymnen, Psalmen, Predigten und rezitierten Gebete in einem gewöhnlichen Gottesdienst hören kann. Für mich war die konzentrierte, erwartungsvolle Stille des Treffens etwas, das ich noch nie zuvor erlebt hatte. Vogelgesang oder Verkehrslärm vermischten sich mit gelegentlichem Husten oder dem Knarren eines Stuhls im Raum. Und nach etwa zehn Minuten vertiefte sich das Gefühl der Stille — wie Treibholz, dass unter deinen Füßen verschwindet.“ Manchmal wird die Stille durch einen „Antrieb des Geistes“ unterbrochen, zum Beispiel wenn ein Frommer sich berufen fühlt, laut zu beten. Danach kehrt der Raum zu einer kraftvollen, nachdenklichen Stille zurück, einer kollektiven Meditation individueller Gedanken, die sich unsichtbar in einem einfachen weißen Raum vermischen. Für Susan Sontag war Ruhe der Trumpf eines Künstlers, ein Kraftakt ultimativer Stille. „Stille“, schreibt sie in Styles of Radical Will „ist das höchste Maß eines Widerwillens zu kommunizieren, eine Ambivalenz hinsichtlich der Kontaktaufnahme mit dem Publikum, die ein Leitmotiv der modernen Kunst mit ihrem unermüdlichen Engagement für das ‚Neue‘ und / oder das ‚Esoterische‘ darstellt. Die Stille ist des Künstlers ultimative außerweltliche Geste: durch das Schweigen befreit er sich von den devoten Fesseln der Welt, die wie ein Patron, Kunde, Konsument, Antagonist, Vermittler und Verzerrer seiner Arbeit in Erscheinung tritt.“ In einer Welt, die immer lauter zu werden scheint, vom Donnern und Kreischen der Baumaschinen hin zum Donner und Kreischen der Tweets, ist es ein Akt enormen Selbstmitgefühls, alles für ein oder zwei Stunden abzustellen. In dieser Ausgabe des Kompendiums lernen Sie eine Reihe von Ansätzen zur Stille kennen – von Jane Brox‘ wissenschaftlicher Untersuchung ihrer Ausübung in sehr unterschiedlichen Umgebungen über Yves Kleins ungehörte Symphonie bis hin zu einer gefühlvollen Poesie-Kolumne in The Paris Review – die allesamt als Gegenmittel zur Unruhe fungieren.

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BESUCHEN

Ein willkommener Begleiter, um Lärm zu umgehen

Angenommen, Sie treffen nach Jahren zum ersten Mal einen alten Freund wieder, der weit entfernt lebt. Sie haben einen Tisch in einem hoch gelobten Restaurant für ein ausgiebiges Abendessen reserviert, aber beim Betreten vibriert ihr Trommelfell und bei all dem klappernden Geschirr und dem lauten Gelächter wird Ihnen bange ums Herz. Tapfer entscheiden Sie, dem Ganzen eine Chance einzuräumen, aber die Intimität ist verschwunden. Es ist unmöglich eine Verbindung aufzubauen, wenn man schreien muss, um gehört zu werden. Es ist dieses nur allzu häufig vorkommende Szenario, das SoundPrint, eine App, die die Dezibel-Werte in beliebten Restaurants, Cafés und Bars in ganz Amerika (und vielleicht schon bald auf der ganzen Welt) misst, für Ihren nächsten Besuch zu vermeiden versucht. Sie können eine Datenbank durchsuchen, und die Chancen stehen gut, dass bereits andere SoundPrint-Nutzer die Geräuschkulissen Ihres ausgewählten Ortes an verschiedenen Tageszeiten hochgeladen haben. Dies gibt Ihnen die Möglichkeit, eine Reservierung zu einer ruhigeren Zeit vorzunehmen oder einen anderen (leiseren) Ort zu finden. Der Erfinder von SoundPrint, Greg Scott, ist schwerhörig. Er lebt in New York und hat eine Liste mit Restaurants angefertigt, in denen es ihm möglich ist, zu hören, was seine Begleiter sagen. Während einem Besuch bei seiner Mutter in Kalifornien wurde ihm jedoch klar, dass er eine solche Liste nicht für andere Städte hatte, woraus die Idee für die App entstand. „Mit SoundPrint habe ich quasi ein Dezibelmessgerät genommen und ihn für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht“, erzählt er in einem Interview. „Ich möchte uns allen helfen, ruhige Ort zu finden. Und lasst uns hoffen, dass sich die Menschen durch den Einsatz der App und der Durchführung von Messungen mit ihren Werten auseinandersetzen und den Restaurants so signalisieren, ihre Schallakustik stärker zu berücksichtigen. Ich möchte [Restaurants, Bars und Cafés] Anreize zur Lärmminderung geben.“

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KINO

Eine beruhigende und mitfühlende Meditation über das menschliche Dasein

Michelangelo Frammartino’s Le quattro volte (The Four Times, 2010) von Michelangelo Frammartino ist ein aufmerksamer philosophischer Film, der die vier Iterationen der Existenz skizziert – Tier, Pflanze, Mineral, Mensch –, wie Pythagoras sie vor 2500 Jahren dargelegt hat. Mit Totalaufnahmen und diegetischem Sound, der für eine äußerst nachdenkliche Stimmung sorgt, spielt Frammartinos Werk in einem abgelegenen kalabrischen Dorf, was passend erscheint, da Pythagoras im 6. Jahrhundert v. Chr. in Kalabrien lebte). Ziegen durchstreifen eine Hügellandschaft, verfolgt von einem älteren Hirten, der später in das Dorf hinabsteigt und einer alten Frau dabei zusieht, wie sie den Kirchenboden fegt. Der Hirte streut Staub vom Boden in sein Wasser – ein Volksheilmittel gegen ein unbenanntes Leiden. Tiere treiben ihr Unwesen: ein Hund sorgt irgendwie dafür, dass ein LKW einen Abhang hinunterrollt und erst zum Stillstand kommt, nachdem er einen Ziegenstall aufgebrochen hat. Die entflohenen Ziegen bahnen sich daraufhin ihren Weg in das Dorf. Die Ereignisse entwickeln sich träge, und nichts wird beschleunigt, um unserer schwindenden Aufmerksamkeitsspanne gerecht zu werden. Ein Baum wird gefällt und in die Stadt gebracht, ein Müllberg qualmt, eine Ziege wird geboren, ein Mensch wird beerdigt. Die Mutterziege leckt zärtlich ihr Neugeborenes. Diese Szenen wachsen zu einer sicheren, schnörkellosen Kunstfertigkeit heran, verankert in einer Ruhe, die zum Nachdenken anregt.

 
LESEN

Ruhe und Transformation

In Brilliant (2004) widmete sich die Schriftstellerin Jane Brox dem Licht und besonders der Lichtverschmutzung sowie der Frage, wie sich die Manipulation und Verzerrung der natürlichen Grenze von Tag und Nacht verändert und in vielerlei Hinsicht Menschen, Tieren und dem Planeten, den wir alle bewohnen, geschadet hat. In ihrem neuen Buch Silence: A Social History of One of the Least Understood Elements of Our Lives richtet Brox ihre Aufmerksamkeit auf zwei Institutionen, die die Erfahrung der Stille historisch isoliert haben: das Gefängnis und das Kloster. Sie beginnt mit dem Eastern State Penitentiary, ein Gefängnis, das 1829 am Rande von Philadelphia eröffnet wurde und heute eine historische Stätte und Touristenattraktion ist. Hier versuchte man, moralische Veränderung durch Einsamkeit und Stille zu erzielen: Insassen verbüßten ihre Strafen in Einzelzellen, deren tonnengewölbte Decken einen kleinen Lichtkreis zuließen und an einen abgetrennten Außenbereich grenzten. Die mit Leder überzogenen Räder der Essenswagen quietschten nicht, Wächter trugen Socken über ihren Schuhen. Die unfreiwillige Unterbindung von menschlichem Kontakt klingt jedoch verdächtig nach der Einzelhaft, die von heutigen Gefängnisreformern allgemein verurteilt wird. Brox' aufwendig recherchierte und lyrisch geschriebene Studie untersucht darüber hinaus auch die Geschichte der Zisterziensermönche – ein mittelalterlicher Orden, der Stille als Weg zur Erlösung betrachtete – sowie das Leben und die Schriften des berühmten Trappistenmönchs Thomas Merton. Sein Werk, so die Schriftstellerin, sei entscheidend für das Wohlergehen eines Gefangenen gewesen, der eine lebenslange Strafe im Massachusetts Correctional Institute Shirley absaß. Er las Seeds of Contemplation und war so bewegt, dass er den einundvierzigsten Ortsverband der International Thomas Merton Society gründete. Bei der Betrachtung Mertons kehrt Brox kurz zu ihren vorherigen Themen des Lichts und der Lichtlosigkeit zurück. Für Merton versprach „die monastische Nacht Integrität… Das begrenzte Licht intensivierte Gerüche, Geräusche, Erinnerungen; die Stille und Dunkelheit schienen seine Fähigkeit zu bestärken, die Welt wahrzunehmen.“

 
THE PARIS REVIEW

Dichterische Übungen in Einfühlungsvermögen 

2018 brachte die Paris Review Daily die Poetry Rx heraus, eine Kolumne, in der drei Dichter – Sarah Kay, Kaveh Akbar und Claire Schwartz – Lesern antworten, die auf der Suche nach Versen sind, die ihren Gefühlen entsprechen, ganz gleich wie schwach, zerbrechlich oder kompliziert diese auch sein mögen. Es ist keine Selbsthilfekolumne im eigentlichen Sinne, sondern eher eine, die Mitgefühl schenkt, eine Ich-sehe-dich-Kolumne, wenn man so will. „Ich glaube nicht, dass die Poesie uns retten wird“, sagt Sarah Kay in der ersten Ausgabe. Dennoch erklären die Dichter, dass sie vielleicht „… Gedichte finden können, die mit der gleichen Frequenz schwingen wie unser Herzschlag.“ Snowy in Vancouver schreibt darüber, „im Wald gestanden zu haben, als Schnee durch die Äste der großen Douglasien fiel. Ich stand da wie gebannt, als der Schnee all die Echos des Waldes absorbierte und nur das Knarren der Bäume und das Geräusch meines Atmens hinterließ. Sich angesichts der Unermesslichkeit der Natur und ihres Nichtwissens um das Menschsein klein zu fühlen“, schreibt Snowy, „ist ein gutes Gefühl. Gibt es ein Gedicht, dass dieses Gefühl beschreibt?“ Kay antwortet mit dem japanischen Satz „mono no aware”, was soviel bedeutet wie „ein Mitgefühl für alle Dinge.“ Mono („Sache“) trifft auf aware („ein altertümlicher Ausdruck der Überraschung, ähnlich einem „Ah“ oder „Oh“), um ein Bewusstsein für die Unbeständigkeit aller Formen sowie für die „sanfte Traurigkeit, im Gegensatz zu einer gewaltigen Traurigkeit“ bei ihrem Übergang zu schaffen. Entdecken Sie die gesamte Reihe online – ihre alltägliche Schönheit und die ungewöhnliche Sensibilität sind beruhigend und erbaulich zugleich.

 
AUFSUCHEN

Ein ganzes Leben voller juwelenartiger, nachdenklicher Werke 

Der verstorbene V.S. Gaitonde, einer der gefeiertesten Künstler Indiens, behauptete, dass „alles mit der Stille beginnt. Die Stille des Pinsels. Die Stille der Leinwand. Die Stille des Malspachtels.“ Bis zum 3. November kann man, dank der Jehangir Nicholson Art Foundation, die in Mumbai 32 Werke in der Ausstellung „V. S. Gaitonde, The Silent Observer “ zeigt, darüber nachdenken, wie diese Überzeugung in seinem Werk zum Ausdruck kommt. Für eine so bedeutende Retrospektive mag die Anzahl eher bescheiden wirken, jedoch erstreckt sich die Auswahl über ein halbes Jahrhundert und ermöglicht die seltene Gelegenheit, Arbeiten aus Privatsammlungen zu sehen. Zudem brachte der langsame, meditative und sorgfältige Ansatz Gaitondes nur einige wenige Gemälde im Jahr hervor, sodass es sich um eine verlässlich repräsentative Quote handelt. Gaitonde wurde in Nagpur geboren, dem fast exakt geografischen Herzens Indiens, und besuchte in den späten 1940er Jahren die Sir JJ School of Art in Mumbai. Dort nahm er verschiedene Einflüsse auf, von südasiatischen Wandgemälden und Miniaturen bis hin zu Paul Klees pikanten Hieroglyphen, die seine Phantasie in den Bann zogen. Auch an indischer und westlicher klassischer Musik, Literatur, Kino und darstellender Kunst hatte er ein großes Interesse. Später wurde der Zen Buddhismus zu einem integralen Teil seines Lebens und seiner Ästhetik. In den 1950er Jahren favorisierte er lineare und geometrische Formen und begann, sich der Abstraktion zuzuwenden (obwohl er die Beschreibung „nicht-objektiv“ dem Begriff „abstrakt“ vorzog). Bis zu den 1960er Jahren entwickelten sich seine Gemälde zu akribisch durchdachten Studien über Textur, Komposition, Farbe und Licht. Verletzungen, die er 1984 bei einem schweren Autounfall erlitt, schränkten ihn für den Rest seiner Karriere hinsichtlich Technik und Umfang ein. Dennoch hielt Gaitonde an kleineren, äußerst kalligraphischen Arbeiten auf Papier fest. Meera Menezes' wunderbare Biographie des Künstlers Vasudeo Santu Gaitonde: Sonata of Solitude ist leicht erhältlich (und soll von zwei weiteren Bänden ergänzt werden). Gaitonde starb 2001 und hinterlässt uns ein zunehmend geschätztes Gesamtwerk.

 
HÖREN

Zarte, kultivierte Kompositionen eines meisterlichen Duos

Gurdjieff, Tsabropoulos: Chants, Hymns and Dances aus dem Jahr 2004 ist eine Kollaboration der deutschen Cellistin Anja Lechner und dem griechischen Pianisten Vassilis, und beinhaltet komplexe Arrangements, eine Fülle an Molltonarten sowie eine eindringliche, sehnsuchtsvolle Energie. Das Album verschmilzt die Klänge von Ost und West miteinander, vermischt Komposition und Improvisation und präsentiert sich sowohl überraschend zeitgemäß als auch einladend schlicht. Tsabropoulos' Kompositionen wurden von alten byzantinischen Hymnen inspiriert. Es enthält darüber hinaus die Musik des in Armenien geborenen Philosophen und Komponisten Georges Ivanovitch Gurdjieff (1877–1949), dessen Melodien und Rhythmen auf geistliche und weltliche Lieder aus dem Kaukasus, dem Nahen Osten und Zentralasien verweisen. „Chant from a Holy Book“ verfügt über die Intensität und Dynamik eines Ragas, während „Prayer“ etwas schlichter ausfällt. „Duduki“ hingegen hebt die Feinheiten des Pianospiels von Tsabropoulos hervor und „Trois Morceaux après des hymnes byzantins“ zeigt sein Talent für Komposition. Zum Ende hin interpretieren Tsabrapoulos und Lechner zärtlich Gurdjieffs „Assyrian Women Mourners“ sowie sein Begleitstück „Woman’s Prayer“. Wie von einem Kritiker beschrieben, führt das Ganze zu einer „evokativen Übereinstimmung… mit einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.“ 

 
ENTDECKEN

Eine erweiterte, etwas gewagte Form der Stille

In den späten 1940er Jahren träumte der Künstler Yves Klein, der heute für seine Schwarz-Weiß-Bilder bekannt ist, von einer Symphonie, die diese vervollständigt. Am 9. Mai 1960 strömte die „Monotone-Silence Symphony in langen Minuten aus reinem D-Dur in den großen Salon der Maurice d'Arquian's Galerie Internationale d'Art Contemporain, gefolgt von einer gleichlangen Phase der Stille. Klein hatte diese Idee etwa zur selben Zeit, in der John Cage sein berühmteres Stück „4'33"“ schuf, in welchem ein Pianist in Stille dasitzt und mit einem stummen und figurativen Sprint zu einer unsichtbaren Ziellinie beschäftigt ist. (Das beide gleichzeitig daran dachten, Stille zu komponieren, scheint ein interessanter Zufall zu sein. Es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass Cage und Klein damals von der Arbeit des jeweils anderen wussten oder sich später gegenseitig beeinflusst haben.) 1962 starb Klein im Alter von 34 Jahren an einem Herzinfarkt. Er bekam seine Symphonie – die er einst als Ausdruck dessen beschrieb, „wie ich mir mein Leben gewünscht hatte“ – so wie es die Partitur vorschreibt, aufgeführt von einem dreiteiligen Streichorchester (zehn Violinen, zehn Celli, drei Kontrabässe), Blechbläsern (drei Hörner), Holzbläsern (acht Flöten und acht Oboen) sowie zwanzig Sängern, nie zu hören. Die Aufführung in Paris, die von Klein in nicht weniger als einer weißen Krawatte dirigiert wurde, umfasste nur zehn Musiker. Man kann sich jedoch vorstellen, dass er über das Konzert im Jahre 2013 in der Madison Avenue Presbyterian Church in Manhattan, dargeboten von 70 Musikern und Sängern, gefreut hätte. Die 20 Minuten Stille erschienen wohl als eine wohl willkommene Erholung von den kraftvoll gespielten 20 Minuten D-Dur-Akkorden, die von dem Musikkritiker der New York Times als ein „klangvolles Nebelhorn mit einem Schalter, der klemmt“, beschrieben wurde.

 
ARCHITEKTUR

Platz schaffen für Hoffnung und Frieden

SAYA ist ein israelisches Architekturbüro mit Visionen progressiver, inklusiver Designs für den öffentlichen Raum sowie grüne Entwicklungsinitiativen und Bemühungen zur Konfliktlösung. Die meisten Projekte der Firma widmen sich natürlich den israelischen-palästinensischen Landstreitigkeiten, aber ihre Strategie der „Abwicklungsplanung“ wurde adaptiert, um territoriale Herausforderungen auf der ganzen Welt zu lösen. Die Mitgründer Karen Lee Bar-Sinai und Yehuda Greenfield-Gilat haben versucht, die nationalen Grenzen des ehemaligen Jugoslawiens zu entwirren und die griechischen und türkischen Interessen in der zypriotischen Stadt Nikosia in ein Gleichgewicht zu bringen. „Politische Entscheidungsträger tendieren dazu, ihre Fragen in Zahlen zu verpacken. Oft ziehen sie dabei nicht in Erwägung, dass sich Konflikte im Raum lösen lassen“, erzählte Bar-Sinai dem The New Yorker im Jahre 2013. SAYA will nicht, dass „Generäle und Sicherheitsbeamte bestimmen, wie unsere Zukunft mit den Palästinensern aussehen wird.“ Anstelle von Betonblöcken und verotteten Sicherheitszäunen stellen sie sich Strukturen vor, „die Hoffnung statt Angst und Feindseligkeit verbreiten können.“ Ihre Designs umfassen natürliche, nicht abschreckende Abgrenzungen wie parallele Autobahnen und Leichtschienenbahnen. Die Arbeiten von SAYA wurden politischen Entscheidungsträgern in Israel und im Ausland sowie dem Peace and Security Council, der Negotiation Support Unit und dem IDF vorgestellt. Die Firma hat innovative Strategien für die palästinensische Wiederverwendung evakuierter israelischer Siedlungen vorgeschlagen und bemerkenswerte architektonische und gestalterische Beiträge zum Jerusalem Annex, dem Genfer Abkommen sowie zu Projekten im Ben Hinom Valley und der Road 60 in Jerusalem geleistet.



Illustrations by Audrey Helen Weber

‘Silence is the element in which great things fashion themselves together…’

Thomas Carlyle