November 2018

Das Kompendium

Albert Webster Edgerly (1852-1926) war ein amerikanischer Sozialreformer, dessen pseudowissenschaftliche Theorien des persönlichen Magnetismus nun merkwürdig albern erscheinen, auch wenn sie sich im Grunde genommen nicht sehr von unseren zeitgenössischen Pseudowissenschaften unterscheiden. Er behauptete unter anderem, dass Magnetismus im Körper aufgebaut werden könnte, wenn „Leckage“ – verursacht durch „knackige“ Lebensmittel wie Kekse, Preiselbeeren, Gurken und Krabben und einfach durch das Quatschen – gestoppt würde. Lektionen über alle Arten von Magnetismus, sowohl wörtliche als auch symbolische, sind besser aus den Wissenschaften zu entnehmen, aber da die abstrusen Gesetze der dipolaren Materie und die Launen der Spiegelneuronen nicht gerade unter leichte Lesekost fallen, sollten Sie sich die Arbeit Mount Jim – Magnetic Anomaly (2013) des australischen Künstlers Cameron Robbins ansehen. Diese Serie von Zeichnungen, Karten, Diagrammen und skulpturalen Stücken, die durch eine gemeinsame stille Intensität verbunden sind, wurde von einer Basaltformation im fernen Victoria inspiriert, die eine eigenartige 20-Grad-Kompassvariation hervorruft. Robbins Vernetzung von harter Wissenschaft und elementaren Kräften mit dem tiefgründigen Mysterium der menschlichen Ästhetik scheint Edgerlys heißblütige Definition von persönlichem Magnetismus, seinem Drall und seiner Eigenwerbung beinahe zu widersprechen. Charisma ist schön und gut, aber wir interessieren uns für eine Anziehungskraft, die weniger kurzlebig ist – eine, die die Menschen zusammenführt, um gemeinsam an dauerhaften Errungenschaften zu arbeiten, die uns allen nützen.

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SUPPORT

Ein Menü für Hoffnung und Fortschritt

Fat Macy’s ist ein Londoner Catering-Service, der leicht zu Fuß ist. Eingestellt werden junge Einheimische, die in temporären Unterkünften hausieren. Es wird ein köstliches und abwechslungsreiches Menü an hausgemachtem Essen in den städtischen Luxusnachtclubs, bei Events und in Büros serviert, um „durch Essen einen Weg aus der Obdachlosigkeit zu weisen“. Meg Doherty hat Fat Macy’s im März 2016 als ein Sozialunternehmen gegründet, um Menschen in Langzeitunterkünften zu helfen, die von Wohltätigkeitsorganisationen betrieben werden, ähnlich wie Obdachlosenunterkünfte. Je mehr solche Bewohner verdienen, desto mehr steigt ihre Miete und desto mehr sinkt die staatliche Unterstützung – was die Kaution für eine Wohnung und bescheidene Ersparnisse nahezu unerreichbar macht. Doherty adressiert diese Problematik, indem sie Fat Macy’s Arbeitern für jede Arbeitsstunde eine Anrechnung gibt. Nach 150 Stunden erhalten sie Anspruch auf einen Wohnungseinlagenzuschuss, um ein Eigenheim zu sichern. Ihre Menüs zeigen eine ebenso clevere wie machbare Herangehensweise an eine ganz andere Art der Problemlösung, mit delikaten Desserts wie geschmorten Pflaumen mit Rosenwasser angereichertem Mascarpone und karibischen Themengerichten wie Callaloo-Suppe und feuchtem Rumkuchen. Der „Aha-Moment“ für Fat Macy's kam, als Doherty in einem Hostel voluntierte und von einem informellen karibischen Kochkurs hörte. „Es war in der kleinen Vorbereitungs- und Trainingsküche, in der nichts wirklich funktionierte, aber es gab Musik, großartige Gerüche und alle lachten. Es war das komplette Gegenteil vom normalen Hostel-Leben." Vor Kurzem hat die Organisation genug Geld durch Crowdfunding gesammelt, um ein altes Gebäude in Peckham zu renovieren, und ist jetzt auf dem besten Weg, ein Restaurant, ein Café und einen Hub für soziale Unternehmen aufzubauen, der Ausbildungen, Arbeitserfahrung und Unterstützung bei der Unterkunftssuche liefert. Es dient auch als eine Grund- und Vorbereitungsküche für die Caterer und ihre Pop-Up-Abendessen. Tagsüber werden Kaffee, Frühstück und Mittagessen, und am Abend „britische Tapas-Platten“ serviert.  

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LESEN

Kollaborative Gedichte, die zärtlich von Unruhen und Exil zeugen

Im Jahr 2009 erhielt die palästinensisch-amerikanische Poetin Deema Shehabi, lebhaft in Nordkalifornien, eine E-Mail von ihrer Kollegin Marilyn Hacker, einer jüdisch-amerikanischen Poetin, lebhaft in Paris. Die E-Mail enthielt Strophen über ein Kind, das die Belagerung von Gaza in diesem Jahr erlebt hat. Shehabi antwortete mit ihrem eigenen Gedicht. Ihr Austausch dauerte vier Jahre und führte zu einer erweiterten Zusammenarbeit in der Tradition der japanischen Renga Struktur, in welcher jeder Poet ein Wort, einen Satz oder ein Bild des vorhergehenden Gedichts auswählt und in seinem darauf folgenden Gedicht erneut verwendet. Die 117-seitige Sammlung wurde 2014 als Diaspo/Renga veröffentlicht. Beiträge von Hacker, deren 12 Gedichtbände unter anderem das Presentation Piece beinhalten, wofür sie 1974 den National Book Award für Poesie erhielt, wurden mit einem „M“ gekennzeichnet. Gedichte von Shehabi, Autorin der Gedichtsammlung Thirteen Departures From the Moon, wurden mit einem „D“ versehen. Die verwendeten Bilder des Buches behandeln auf bewegende und unerwartete Weise das Thema der Unruhe und des Exils. Sie beschwören die Kriege der Gegenwart herauf und diejenigen, von denen wir dachten, sie lägen in der Vergangenheit – die allerdings nur schlummern und für ein leises Trauma in den Gedanken der Lebenden sorgen. „M: / Fünf, sechs – und rechtschaffen, / das Kind in grün in Gaza / steht in ihrem zerstörten Haus, / schmuddelig, empört. Ihre Hände / zeigen nach oben; sie erklärt, was getan / bombardiert, verbrannt wurde. Es riecht alles nach Gas! Wir mussten unsere Kleider / wegwerfen! Die Ohrringe, die mein / Vater mir gab ... Kein Märtyrer, / widerstandsfähig. Die verbrannte Wiege ... D: bricht über die kalten Berge / von North Carolina, wo sich eine Cherokee / Poetin in einer Hütte verkriecht / neben einem Indigo-Feuer. Sie sieht / das Kind und sagt: / Dies ist der neue Weg der Tränen. / Ruft aus, Oh ausgebreitete indische Nation / Lasst uns unsere Haare flechten / mit dem pulverisierten / Kies von Palästina.“ Was Shehabi als den roten Faden trotz der unterschiedlichen Identitäten der Dichterinnen betont, ist „Vor allem, so viel Liebe für die Menschheit.“

 
ENTDECKEN

Kunst, die an elementare Energien anlehnt

Der Künstler Cameron Robbins arbeitet in einem Studio in Castlemaine, Australien, aber seine Installationen absorbieren und leiten verschiedene Kräfte der Natur auf der ganzen Welt um. Für sein Kunstwerk Mill House Gravity aus dem Jahr 2013, welches sich an der Westküste von Norwegen befindet, installierte er im Nordischen Künstlerzentrum in Dalsåsen Orgelpfeifen in einem Kvernhus (altes Mühlenhaus), hängte sie an einen nahegelegenen Wasserfall und spannte die Energie der Stromschnellen, um sie in A-Dur singen zu lassen. MILLKULTURE (2016) kann im Yarra Ranges Regional Museum in Lilydale, Victoria, besichtigt werden. Sie ist eine kinetische, windbetriebene Zeichenmaschine, die Graphitspuren auf Beton kreiert: eine Reihe von Rädern, die mit einem langen, anmutigen Arm verbunden sind, tragen ein vogelähnliches Objekt mit Schwanzfedern eines Leierschwanzes und einem Graphitschnabel. An windigen Tagen bewegt sich das Objekt um einen internen Galerieraum herum und schlägt mit seinem Schnabel auf die Wand, so dass eine inkrementelle Collage entsteht, die die flüchtige Brise in Erinnerung ruft. Eine weitere Arbeit von Robbins handelte vom Mount Jim, ebenfalls in Victoria, einer Basaltformation mit einer magnetischen Anomalie – einer 20-Grad-Magnetkompassvariation, die durch ein riesiges, unbekanntes, unterirdisches Objekt verursacht wird. Robbins verwendete Kompassmaße, Marker, Beleuchtung und fotografische „Nachtzeichnungen“ mit langer Beleuchtung, um die Abstraktion von 3D-magnetischen Formen für seine multidisziplinäre Arbeit Mount Jim (2013) zu externalisieren, und schuf so eine Serie von Handzeichnungen, Karten, Diagrammen und Skulpturen, die ruhig, beständig und hypnotisch sind.

 
GARTEN

Ein fruchtbarer Treffpunkt für Stadtbewohner

Îlot d’Amaranthes blühte 2003 auf, als die Galerie Tator den Künstler und Gärtner Emmanuel Louisgrand dazu einlud, seinem grünen Daumen auf dem heruntergekommenen, leeren Grundstück in Lyons La Guillotière Distrikt freien Lauf zu lassen. Was er an der Kreuzung von Rue Montesquieu und Rue Sébastien Gryphe tat, inspirierte Nachbarn und andere Bewohner von Lyon ebenfalls mitzumachen: Der Nachbarschaftsverein Brin d'Guill' enstand ein Jahr später und machte den Ort zu einem festen Bestandteil des Stadtbildes. Ein einst karger Betonboden ist heute ein lebendiger Gemeinschaftsgarten mit einem leuchtend orangefarbenen Zaun und einem Fresko des brasilianischen Straßenkünstlers Eduardo Kobra. Die ineinandergreifenden Parzellen, die Kompostanlage und das Gewächshaus von Îlot d'Amaranthes vermitteln das Gefühl, dass es sich um einen seriösen Arbeitsgarten handelt. Seine Bäume und wunderschönen Rosen machen den Ort zu einer Insel der Ruhe, ideal für ein oder zwei Stunden mit einem Buch. Um dorthin zu gelangen, überqueren Sie die Rhône via Pont de l'Université.

 
ARCHITEKTUR

Ein genialer „Do-Tank“ für Sozialwohnungen

Im Jahr 2016 erhielt der chilenische Architekt Alejandro Aravena den höchsten Preis auf seinem Gebiet, den Pritzker Prize. Die Sprache der Jury war bezeichnend und unterstrich sein „langfristiges Engagement, die globale Immobilienkrise anzugehen und für ein besseres städtisches Umfeld für alle zu kämpfen“ gegenüber einem auffälligen Projekt oder einer flüchtigen Sensibilität. Aravena hat institutionelle und private Aufträge übernommen, aber was ihn auszeichnet, ist sein Engagement für den sozialen Wohnungsbau. Seine Firma Elemental – eine gleichberechtigte Partnerschaft von fünf Architekten, der Universidad Católica de Santiago und der chilenischen Ölfirma COPEC – fand 2004 erstmals großen Zuspruch für ihr Wohnprojekt Quinta Monroy in Iquique, Chile. Die Regierung stellte eine bescheidene Summe Geld für ein neues Zuhause zur Verfügung, und Elemental baute das, was sie „ein halbes gutes Haus“ nannten: eine zweistöckige Residenz mit zwei Schlafzimmern, einer Küche, einem Bad und mit einem anschließenden, gleich großen, leeren Raum, der die Bewohner dazu ermutigen soll, eine Ergänzung nach ihrem eigenen Geschmack und Kapazität zu bauen. Die Idee funktionierte fabelhaft. Anstatt nach der anfänglichen Investition an Wert zu verlieren, wie es bei dieser Form der Vermögensanlage häufig der Fall ist, entstand ein Ort der Innovation, der neuen Wohlstand generierte. Trotzdem sieht Aravena das Projekt als eine Niederlage, wie er im Guardian erzählt, weil „die breite Masse nichts davon hatte“. Als Reaktion auf seinen Pritzker-Sieg veröffentlichte er auf seiner Website die Pläne von vier seiner Sozialwohnungsprojekte, für jedermann zum Studieren und Verwenden zugänglich – ein Open-Source-Angebot, weit weg vom Rampenlicht. So zeigte er, dass seinen Worten Taten folgen. Er verwendet das Wort „irreduzibel“, um den Ansatz von Elemental zu beschreiben. „Ein Projekt von Elemental sollte etwas sein, dessen Design man nicht ändern kann, ohne etwas Wesentliches zu entfernen“, sagte er der New York Times. „Mangel an Mitteln erfordert vom Architekten eine Fülle an Bedeutung. Die Kraft der Architektur ist die Kraft der Synthese, um in zwei Worten statt in drei Worten zu sagen, was du willst, um eine Lösung in so wenigen Zügen wie möglich zu erreichen.“ Er hat Elemental passenderweise als „Do-Tank“ bezeichnet.

 
MENSCHEN

Gesellschaften im Fokus

Die Dokumentarfotografin Sirkka-Liisa Konttinen wurde 1948 in Finnland geboren und zog in den 1960er Jahren nach London, wo sie an einem Polytechnikum in der Regent Street Film studierte. 1969 zog sie in das Industrieviertel von Byker in Newcastle-upon-Tyne und fotografierte und interviewte sieben Jahre lang ihre Nachbarn in und um deren Reihenhäuser. Das daraus resultierende Buch, Byker (1983), wurde durch eine Ausstellung ergänzt, die die Welt bereiste. Bald danach kam das Projekt Step by Step, eine Studie von Mädchen, die Tanzschulen besuchten (eine Inspiration für den Film Billy Elliot). Writing in the Sand, eine Sammlung von Fotos aus den Jahren 1973 bis 1998, zeigte das Strandleben im nordöstlichen England mit Laune und Freude. („Es ist, als würde man Champagner in deine Adern geben“, sagte sie über das Schwimmen in der Nordsee.) Im Jahr 2004 wandte sich Konttinen in einem frischen Ansatz einer neuen Generation von Byker-Bewohnern zu. Wie sie im Guardian schrieb, „Es ist nicht mehr in Ordnung, mit einer Kamera durch die Straßen zu gehen und irgendjemanden – vor allem Kinder – ohne Erlaubnis zu fotografieren. Also lernte ich Leute kennen und fragte sie: Wenn du dein Leben mit einem einzigen Foto darstellen würdest, was würde man sehen?“ One portrait, von „einem typischen Byker-Burschen“ und seiner jungen Töchter, verkörpert sowohl die Voraussicht als auch die improvisierte Magie dieses Stils. Die Familie ist dabei, umzuziehen, zu sehen sind Kisten voller gepackten Sachen, der Mann spielt mit seinen Kindern Seifenblasen. „Ich habe das Stativ und die Lichter aufgestellt und das Bild sorgfältig gerahmt“, schreibt Konttinen, „aber ich habe gehofft, dass etwas Spontanes passieren würde.“ Wie eine vierbeinige Metapher für die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit der Gemeinschaft, schnappte ihr Pitbull-Terrier nach einer Seifenblase. Konttinen zog besondere Inspiration aus einem Satz des japanischen Schriftstellers Jun'ichirō Tanizaki: „Die Qualität, die wir Schönheit nennen ... muss immer aus den Realitäten des Lebens erwachsen.“

 
KINO

Die unbändige Neugierde des verlassenen Kindes

The Return (2018), ein Mischung aus Drama und Dokumentarfilm der dänischen Regisseurin Malene Choi Jensen, der in nur 15 Tagen gedreht wurde, erzählt die Geschichte von zwei koreanisch-dänischen Adoptierten, die nach Seoul zurückkehren, um nach ihren leiblichen Familien zu suchen. Die fiktionale Erzählung, die geschriebene und improvisierte Elemente miteinander verbindet, zeigt experimentelle Elemente in der Kinematografie, der Bearbeitung und dem Sounddesign, während die dokumentarischen Szenen lebendig und wahr klingen. Basierend auf der persönlichen Adoptionsgeschichte der Filmemacherin als auch ihrer Interviewpartner, ist The Return eine Meditation über familiäre Bindungen, Einsamkeit und die manchmal schwer erfassbare Natur eines Zuhauses. Karoline (Karoline Sofie Lee), eine Frau in ihren Dreißigern, die in Dänemark aufgewachsen ist, trifft Thomas (Thomas Hwan) in Koroot, einem Gästehaus in Seoul, das koreanische Adoptierte auf Besuch beherbergt. Sie unterhalten sich und geben sich Tipps, während sie durch die komplexen Emotionen und bürokratischen Machenschaften navigieren, mit dem Ziel, diejenigen ausfindig zu machen, die sie zur Welt gebracht haben. Karoline begleitet Thomas und einen Dolmetscher, als er schließlich seine leibliche Mutter (Seong In-Ja) trifft, die ihren Gästen ein selbstgemachtes Essen serviert, während sie ihnen ihre herzzerreißende Geschichte erzählt. Aber es gibt auch humorvolle Momente, ausgelöst durch die Naivität von Karoline und Thomas in Bezug auf die koreanische Kultur. Eine unerwartete Wendung kommt von der Aussage eines in Amerika aufgewachsenen Adoptierten, der für längere Zeit nach Korea zog, nachdem er seine leibliche Familie gefunden hatte, was zu einem Bruch mit seiner Adoptivfamilie führte. Die multidisziplinäre Künstlerin JooYoung Choi, die selbst von Amerikanern adoptiert wurde, erklärt, wie sich mehrere Reisen zu ihrer leiblichen Mutter in ihre grafische Kunst eingeflochten haben, die in einem reich erdachten, fiktiven Land liegt, das sie kosmische Gebärmutter nennt.

 
THE PARIS REVIEW

Testament einer bemerkenswerten Freundschaft

Als Helen Keller 72 Jahre alt war, wurde sie der Maestra des modernen Tanzes, Martha Graham, vorgestellt. Graham lud Keller in ihr Tanzstudio in 66 Fifth Avenue ein, wo Keller ihre taktilen Fähigkeiten nutze, um die Choreographie zu beobachten. Sie legte dazu ihre Hände auf den Boden, um die Eindrücke der Füße der Tänzer zu erfassen, während sie sich von einer Richtung in die andere bewegten. Dieses Treffen war der Beginn einer tiefen Freundschaft zwischen Keller und Graham. Beide Frauen waren berühmt – Keller dafür, wie viel von der Welt sie trotz ihrer Taubblindheit ab dem Alter von 19 Monaten aufnehmen konnte, Graham für ihren Beitrag zur Welt des Tanzes. „Grahams und Kellers unterschiedliche Zugänge zum Körper und zur Bewegung haben sie zu Schülern und Lehrern gemacht,“ schrieb Ellen O’Connell Whittet in einem rührenden Tribut an die ungewöhnliche Freundschaft. „Es ist eine gute Erinnerung daran, dass Entdeckungen auch spät im Leben auf einen warten.“ Graham schrieb in ihren Memoiren über einen weiteren von Kellers Besuchen im Tanzstudio, als sie fragte: „Was ist denn springen?“ Graham bat Merce Cunningham am Barren zu stehen und es zu demonstrieren. „Merce, sei sehr vorsichtig“, warnte sie. „Ich lege Helens Hände auf deinen Körper.“ Graham legte Kellers Hände auf Cunninghams Taille, als er die erste Position einnahm und anfing zu springen. Bald kopierte Keller seine Bewegung und schwang ihren eigenen Körper in die Luft. Graham erinnert sich an Kellers „Ausdruck, der sich von Neugier zu einem der Freude veränderte“ und ihren Ausruf: „Oh, wie wundervoll! Es ist wie mit den Gedanken! Wie mit dem Verstand.“

 

 

Illustrationen von Audrey Helen Weber

’Tis sweet to feel by what fine-spun threads our affections are drawn together.’

Laurence Sterne